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Der Friedhof

Bilder:

Sammlung Karl-Werner Vick

Archiv Gemeinde Seevetal

BESTATTUNGEN IN ALTEN ZEITEN

Durch die kirchliche Zugehörigkeit zu Pattensen ergab sich in alten Zeiten keine andere Alternative zur Bestattung auf dem Pattensener Kirchhof. Die Ohlendorfer Verstorbenen wurden jahrhundertelang zuerst an der Kirche, dann auf dem seit 1842 angelegten Friedhof  in Pattensen und später dann ab 1948 auf dem Ohlendorfer Friedhof beigesetzt. 

Als noch die Bestattung an der Kirche durchgeführt wurde, war sogar eine Bestattung "in" der Kirche möglich. Zu den Pattenser Verhältnissen in früherer Zeit berichte das Corpus Bonurum von 1734:

"Der Krichhof hat im Umkreis von 640 Fuß (187 Meter) und ist kaum räumig genug zur Beerdigung der Leichen; inmaßen schien keine Leiche begraben wird, daß nicht noch unverweste Gebeine mit ausgegraben, und dann mit der Leiche in dieselbige Gruft wieder eingescharet werden. Die Begräbnisse auf dem Kirchhofe werden weder gekauft noch beweinkauft. In der Kirche aber pfleget ein Platz, danach er dem Chor ferne oder nahe ist, um 5,6 bis 10 Taler verkauftet zu werden, wiewol es selten kommt, daß jemand aus der Gemeinde in der Kirche um Begräbnis verlanget. Die Mauer um den Kirchhof (unter)hält die Gemeinde" 

 

JEDES DORF HATTE SEIN TEILSTÜCK

Auf dem Kirchhof selbst war jedem Dorf der Kirchengemeinde ein Teilstück zugewiesen. Aufgrund der Enge des Kirchhofes wachte jedes Dorf eifersüchtig über seine "Gerechtigkeit". In den 1720er Jahre kam es z.B. zum Streit zwischen den Einwohnern von Borstel und Stelle über die Größe ihres Teilstückes. 

DIE ZUSTÄNDE VERSCHLECHTERN SICH

Durch die stetige Bevölkerungszunahme war die Kapazität des Kirchhofes bald erschöpft. Am Ende bestattete man die Toten in mehreren Schichten übereinander. Doch erst mit dem Verkoppelungsrezess der Pattensener Feldmark konnte die Planung eines neuen Friedhofes in die Wege geleitet werden. Bei Abschluss des Pattensener Rezesses 1840 wurde auf dem Remenberge am Weg Richtung Scharmbeck ein drei Morgen großer Platz ausgewiesen. Dieser stieß jedoch bei den Pattensenern, sowie den Einwohnern aus Roydorf, Luhdorf, Bahlburg, Wulfsen, Tangendorf und Holtorf auf Protest, da ihnen der Weg dorthin zu weit war. Sie wünschten sich einen Friedhof an der Straße nach Bahlburg. 

Dagegen forderten die Einwohner der Orte Ohlendorf, Scharmbeck, Ashausen und Stelle den Friedhof am vorgesehenen Platz zu errichten. Der Streit wurde letztlich vom zuständigen Ministerium in Hannover zugunsten des Platzes an der Straße nach Bahlburg entschieden. 

NEUER FRIEDHOF IN PATTENSEN

Im Jahr 1842 wurde der neue Friedhof eingeweiht. Zur Unterbringung des "Leichengerätes" und zum Schutz der "Leichenbegleiter" wurden in der Mitte ein Holzgebäude errichtet. Eine Kapelle war damals noch nicht erforderlich. Die Verstorbenen wurde bis zur Beerdigung im Trauerhaus aufgebahrt und dann auf den Friedhof getragen oder mit dem Pferd und Wagen dorthin gefahren. 

TRAUERFEIERLICHKEITEN VOR 100 JAHREN

Die Trauerfeierlichkeiten damals waren mit den heutigen nicht zu vergleichen. Wenn heute der Beerdigungsunternehmer innerhalb kürzester Zeit den Verstorben aus dem Trauerhaus abholt und dieser bis zur Beerdigung in einen Nebenraum der Friedhofskapelle oder im Beerdigungsinstitut verbleibt, so nahmen die Trauerfeierlichkeiten noch bis in die 1930er Jahre einen völlig anderen Verlauf. 

Nach dem damaligen Brauchtum war es üblich, dass der Küster und Lehrer zusammen mit acht Schulkindern im Trauerhaus an dem Sarg des Verstorbenen Trauerlieder sang. Das sog. Leichensingen gehörte zu den Aufgaben des höheren Küsterdienstes. Am Beerdigungstag selbst begab sich dann der Pastor in das Trauerhaus und hielt am Sarg eine kurze Andacht. Anschließend bewegte sich der Leichenzug unter Ausführung des Küsters und den Chorkindern zum Friedhof. Bei den Ohlendorfer Verstorbenen empfingen der Pastor und der Küster mit den Chorknaben den Trauerzug an der Kirche und führten diesen dann zur Friedhofshalle. Der Ohlendorfer Lehrer hielt vor Beginn der Trauerfahrt zum Pattensener Friedhof eine kurze häusliche Andacht. In Pattensen wurde das Leichensingen 1925 eingestellt.

Der Friedhof wurde wiederholt erweitert. 1914 wurde die neue Kapelle gebaut. 1930 erhielt der Pattensener Friedhof eine eigene Wasserversorgung. 

NEUER OHLENDORFER FRIEDHOF

Bis 1948 setzten die Ohlendorfer ihre Toten in Pattensen bei. Die Entfernung brachte erhebliche Schwierigkeiten mit sich, so war selbst die Grabpflege für ältere Menschen mit einem höheren Zeitaufwand verbunden. 

Als nach dem 2. Weltkrieg die Bevölkerung Ohlendorfs von 450 auf 800 Menschen anwuchs, wurde das Problem immer dringender. Die Fällung eines alten Holzbestandes an der nördlichen Dorfgrenze erschien als günstige Gelegenheit einen Friedhof in Ohlendorf anzulegen. Im Jahr 1947 wurde dies durch die Bezirksregierung in Lüneburg genehmigt. 

Es entstanden Familiengrabstellen, Doppel und Einzelplätze. Auch  20 Umbettungen vom Friedhof in Pattensen wurden durchgeführt. Ein unbekannter Mann polnischer Nationalität wurde aus seinem Kriegsgrab am Ohberg in eine würdige Ruhestätte auf dem Friedhof umgebettet. 

EINWEIHUNG DER OHLENDORFER KAPELLE

1968 konnte die Kapelle eingeweiht werden. Sie hat eine Kapazität von 120 Personen und verfügt über eine geräumige Aufbahrungsmöglichkeit vor dem Altar, die Sakristei, einen Raum für die Totenaufbewahrung sowie Toiletten und einen Geräteraum.

Die erste Glocke war eine Stahlglocke und wurde im November 1966 von der Kirchengemeinde Bispingen erworben. Fast 40 Jahre hat sie die Verstorbenen zu ihrer letzten Ruhestätte geleitet. Anfang 2005 wurde sie durch eine neue Bronzeglocke ersetzt. In einer kurzen Zeremonie segnete sie der damalige Ramelsloher Pastor Rambow. 

Im Jahre 2006 wurde der Friedhof noch einmal erweitert, um der geänderten Nachfrage nach Einzel- und Urnenbestattungen gegenüber den in der Vergangenheit zahlreich vorhandenen Familiengrabstätten nachzukommen.  

 

Quelle:

Dederke, Peter  2005        -  Pattensen - Die Geschichte eines Dorfes am                                                           Rande der Geest

Richers, Wilhelm 1977      -  Die Chronik der Dörfer Ohlendorf und                                                                     Holtorfsloh

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