
Ohlendorf
Erster und Zweiter Weltkrieg


Bilder:
Wikipedia
Sammlung Karl-Werner Vick
Archiv Gemeinde Seevetal
VORGESCHICHTE 1. WELTKRIEG
Nach der Niederlage Frankreichs im Deutsch-Französischen Krieg wurde 1871 in Versailles der deutsche Kaiser proklamiert. Damit entstand das Deutsche Kaiserreich. Für die Bevölkerung begann nun eine Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs.
Durch die Reparationszahlungen Frankreichs konnten große Summen in die Industrie investiert werden. Auch in Wissenschaft und Forschung nahm das Deutsche Reich eine führende Rolle in der Welt ein. Deutschland wurde zudem Kolonialmacht und machte damit seinen Machtanspruch international deutlich.
Viele Menschen zogen vom Land in die Städte, um dort Arbeit zu finden. Auch Bewohner aus Ohlendorf, zum Beispiel Bauernsöhne und -töchter, die den elterlichen Hof nicht erbten, gingen nach Hamburg, um dort ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Reichskanzler Otto von Bismarck sicherte den Frieden in Europa durch eine geschickte Bündnispolitik. Nachdem er zurücktrat und sich nach Friedrichsruh zurückzog, setzte Kaiser Wilhelm II. diese Politik jedoch nicht fort. Stattdessen näherte er sich dem österreichischen Kaiser Franz Joseph an.
Durch die zunehmende Aufrüstung, insbesondere den Ausbau der deutschen Flotte, fühlte sich England bedroht und rüstete ebenfalls auf. Die Spannungen in Europa nahmen immer weiter zu. Im Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn wurden demokratische und mitbestimmende Bestrebungen der Minderheiten gewaltsam unterdrückt. Dies führte schließlich zum Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajevo.
Russland sah sich als Schutzmacht der Serben. Österreich-Ungarn stellte Serbien daraufhin ein sehr hartes Ultimatum, das Serbien nur teilweise akzeptierte. Infolgedessen erklärte Österreich-Ungarn Serbien den Krieg. Dadurch wurde auch das Deutsche Reich in den Konflikt hineingezogen. Da Russland mit Frankreich und England verbündet war, weitete sich der Konflikt aus – ein großflächiger Krieg begann.
BEGINN ERSTER WELTKRIEG
Im Jahr 1914 wurde die Mobilmachung zum Krieg bekannt gegeben. In feldgraue Uniformen gekleidete Soldaten brachten große Mobilmachungsplakate an verschiedenen Stellen in Ohlendorf an, unter anderem am Spritzenhaus.
Viele Männer mussten sofort zum Kriegsdienst einrücken. Andere warteten noch auf ihren Einberufungsbefehl, während sich einige aus dem Gefühl heraus, ihre Heimat verteidigen zu müssen, freiwillig meldeten.
Schon bald entwickelte sich der Krieg an der Westfront zu dem berüchtigten Stellungskrieg. Nach und nach wurden fast alle Männer eingezogen. Für die Familien, die zu Hause blieben, bedeutete dies große Veränderungen. Großeltern und Kinder übernahmen die Arbeit der fehlenden Männer vollständig. Zusätzlich halfen Kriegsgefangene in der Landwirtschaft. Französische, belgische und russische Gefangene wurden in der Schule sowie in unfertigen Rohbauten untergebracht, da viele Bauprojekte während des Krieges nicht abgeschlossen wurden.
Die Ohlendorfer Chronik beschreibt das Verhältnis zwischen den Kriegsgefangenen und der Dorfbevölkerung als „recht gut“. Einige Kontakte bestanden sogar über das Ende des Krieges hinaus.
Trotzdem war die Kriegszeit von großen Entbehrungen geprägt. Durch die Seeblockade in der Nordsee konnten viele Rohstoffe nicht mehr importiert werden. Auch Lebensmittel wurden knapp, sodass bereits während des Ersten Weltkriegs Stadtbewohner sogenannte Hamsterfahrten aufs Land unternahmen. Direkte Kriegsschäden blieben Ohlendorf jedoch erspart.
Nach vier Jahren Krieg und einem enormen Verlust an Menschenleben sowie industriellen Ressourcen wurde schließlich ein Waffenstillstand geschlossen. 26 Männer aus Ohlendorf kehrten nicht aus dem Krieg zurück. Zu ihrem Gedenken wurde 1925, sieben Jahre nach Kriegsende, ein Kriegerdenkmal eingeweiht.
Als Standort wählte man das erhöhte Gelände vor der Schule. Dieser Ort war bewusst gewählt, da sich dort in den hellen Sommerabenden häufig die Dorfjugend traf und gemeinsam Lieder sang. Hier in der Dorfmitte wollte man zukünftig den Verstorbenen gedenken.
Die Chronik des Kriegervereins berichtet von schweren Jahren nach dem Ersten Weltkrieg. Der Verlust von Söhnen und Ehemännern sowie die Inflation von 1921 belasteten das Leben der Ohlendorfer stark. Viele Heimkehrer litten zudem unter schweren körperlichen und seelischen Verletzungen, die sie ihr Leben lang einschränkten. Erst ab 1923, nach der Währungsreform, konnte das Vereinsleben langsam wieder aufgenommen werden. Insgesamt konzentrierten sich die Menschen zunächst darauf, den Alltag zu bewältigen.
BEGINN ZWEITER WELTKRIEG
Auch der Zweite Weltkrieg begann in ähnlicher Weise wie der Erste. Am 1. September wurde die Mobilmachung im Deutschen Reich bekannt gegeben. Neu war jedoch, dass Informationen nun auch über das Radio verbreitet wurden. Zunächst wurden die bereits gedienten Männer sowie die Jahrgänge 1899 und 1900 einberufen.
Die durch den Krieg fehlenden Arbeitskräfte wurden – wie schon im Ersten Weltkrieg – durch Zwangsarbeiter ersetzt. Dabei handelte es sich um Kriegsgefangene, die im großen Saal des Ramelsloher Hofes untergebracht waren. Auch in der Oberetage von Maacks Gasthaus sollen Kriegsgefangene untergebracht gewesen sein.
Durch die veränderte Kriegsführung und den Einsatz moderner Luftwaffen betraf der Krieg nun auch für die Bevölkerung Ohlendorfs unmittelbar. Der Ort lag im Einzugsbereich britischer und später auch amerikanischer Bomberverbände.
FLAK- UND SCHEINWERFERGÜRTEL UM HAMBURG
Zum Schutz Hamburgs wurde ein Flak- und Scheinwerfergürtel errichtet, der feindliche Bomber abwehren sollte. Flugabwehreinheiten waren auf dem gesamten Gebietes des heutigen Landkreis Harburg stationiert. In Ohlendorf befand sich ab 1940 eine Scheinwerferstellung, zunächst im Süden des Ortes, später auf der Ostseite. Durch diese Verlagerung hoffte man, Schäden durch Bombenabwürfe zu verringern.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde Ohlendorf mehrfach von Brand- und Sprengbomben getroffen. Neben erheblichen Sachschäden an Bauernhäusern und Scheunen gab es auch Todesopfer. Beim Versuch, einen Brand zu löschen, kam der Wirt des Ohlendorfer Jugendheims, Emil Dreves, ums Leben. Er wollte eine noch nicht detonierte Stabbrandbombe, die durch das Dach gefallen war, aus dem Fenster werfen. In diesem Moment entzündete sie sich.
Dank des schnellen und engagierten Einsatzes der Ohlendorfer Feuerwehr, sowie der umliegenden Feuerwehren konnten die Brände eingedämmt werden und der Ort bleib von einem Großbrand verschont.
MILITÄRISCHE ANLAGEN IN DER UMGEBUNG
Im Nachbarort Ramelsloh befand sich an der Straße nach Marxen ein militärischer Sperrbereich. Dort waren Mannschaftsunterkünfte für den Betrieb der Radarstation „Hummel B“ sowie eine Flakstellung eingerichtet. (Vgl. hierzu Link: http://chronik-ramelsloh.de/die-radarstellung-hummel-b-in-ramelsloh/ )
Aus Ramelsloh ist überliefert, dass die Scheinwerfer anfangs vom Militär bedient wurden. Später wurde jedoch die männliche Dorfbevölkerung herangezogen, da die Soldaten an der Front benötigt wurden. Für Ohlendorf selbst gibt es keine Berichte über den Betrieb der dortigen Scheinwerferstellung.
KRIEGSALLTAG UND KRIEGSENDE
Den Ohlendorfer Bürgern sind die schweren Bombenangriffe auf Hamburg während der Operation Gomorrha ebenso in Erinnerung geblieben wie die Abstürze mehrerer Flugzeuge in der Umgebung. Fliegeralarm gehörte zum Alltag. Viele Menschen gewöhnten sich daran und suchten erst Schutz, wenn Luftminen detonierten oder Bomben in den Nachbarorten einschlugen.
Gegen Ende des Krieges nahmen Tieffliegerangriffe auf die Landbevölkerung zu. Während der Arbeit auf den Feldern oder bei Fahrten mit dem Fuhrwerk mussten sich die Menschen oft in Straßengräben in Sicherheit bringen.
Im Jahr 1945 rückten britische Truppen von Jesteburg und Pattensen aus in Richtung Ohlendorf vor. Zuvor beschossen britische Panzer von der Straße Jesteburg–Harmstorf aus die Radarstationen zwischen Ramelsloh und Marxen. Die dort stationierten Soldaten und weiblichen Militärangehörigen waren bereits Tage zuvor evakuiert worden oder hatten sich in umliegende Wälder zurückgezogen.
Ohlendorf selbst blieb von einer Einquartierung britischer Soldaten verschont. In den Nachkriegsjahren rückte die Dorfgemeinschaft jedoch eng zusammen, um zahlreiche Heimatvertriebene aufzunehmen.
Bis 1947 wurden weiterhin Lebensmittelkarten verwendet. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs war die Not noch nicht vorbei, denn die Versorgung mit Nahrungsmitteln blieb schwierig. Viele Männer kehrten erst spät aus der Kriegsgefangenschaft zurück, während die Zwangsarbeiter in ihre Heimatländer zurückkehrten. In dieser Zeit kamen weiterhin Stadtbewohner aufs Land, um Lebensmittel zu beschaffen.
Quelle:
Wilhelm Richers 1977 - Chronik Ohlendorf
Aufzeichnungen zu den Flak- und Scheinwerferstellungen in der Gemeinde Seevetal - Archiv Seevetal
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