
Ohlendorf
Der Handel




In den frühen 1990er Jahren machte sich die Familie Bärwinkel den Standort ihres Grundstückes an verkehrsgünstiger Lage "Zum Suhrfeld" zu nutze und errichtete dort den "Kiosk Bärwinkel". Dieser versorgte bis Mitte der frühen 2000er Jahre die Ohlendorfer mit frischen Brötchen, bunten Tüten, Süßigkeiten, Zigaretten, Magazinen jeglicher Art sowie Alltagsgegenstände wie "Batterien".

HANDEL MIT MINERALÖLEN & PKWs
Mit der Nähe zur Autobahnauffahrt "Ramelsloh-Ohlendorf" an der A7 und dem durch die Wirtschaftswunderjahre in den 1950er und 1960er Jahren nahm auch der LKW- und PKW-Verkehr in Ohlendorf zu.
Es existierte bereits in der Straße "Osterberg" in den 1950ern ein kleine Tankstelle, dann verlagerte August Heinsen den Standort an die "Ohlendorfer Straße" und schuf dort ein BMW-Autohaus mit Tankstelle. Leider war diese Unternehmung nicht von langem Erfolg gekrönt. Später zog in das Gebäude des Autohauses die Computerfirma Szepanski. Die Tankstelle existiert bis heute. Mittlerweile befindet sich auf dem Gelände eine Wohnbebauung.

HANDEL MIT GELD - DAS BANKWESEN
Die Ursprünge reichen bis ins Jahr 1866 zurück, als in Hittfeld die „Spar-Leih- und Vorschuss-Casse“ gegründet wurde. Damit erhielten die Bürger erstmals die Möglichkeit, Geld verzinslich anzulegen und Kredite aufzunehmen. 1875 wurde der Wirkungsbereich auf Ohlendorf ausgeweitet. Im Zuge der Raiffeisenbewegung entstanden gegen Ende des 19. Jahrhunderts zahlreiche ländliche Genossenschaften, die auch in der Region Fuß fassten.
1892 gründeten Bürger aus Ramelsloh und Ohlendorf die Spar- und Darlehenskasse Ramelsloh. Der erste Vorstand bestand aus Heinrich Eddelbüttel, Heinrich Behr, Peter Warnecke und Fritz Eggert. Die junge Genossenschaft wuchs rasch, zählte bald viele Mitglieder und verwaltete steigende Spareinlagen. In den folgenden Jahrzehnten entstanden weitere Kassen in der Umgebung, die sich schließlich 1969/70 zur Volksbank Nordheide zusammenschlossen. 1976 kam die Spar- und Darlehenskasse Brackel hinzu.
Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm 1923 der Malermeister Willy Poppe die Leitung der geschwächten Kasse und verlagerte das Geschäft nach Ramelsloh. 1928 wurde in Ohlendorf eine Annahmestelle bei Kaufmann Wilhelm Schmidt eingerichtet, die später ins Haus der Familie Richers umzog und dort bis 1971 bestand. Poppe führte die Kasse fast 30 Jahre lang, bevor er 1953 verstarb. Nach einer kurzen Übergangszeit unter Hermann Rösler übernahm Hermann Allerding 1954 die Leitung. Unter seiner Führung setzte in den 1950er Jahren eine starke Wachstumsphase ein. 1955 wurde ein Grundstück an der Harmstorfer Straße erworben, auf dem ein neues Kassengebäude errichtet wurde.
Die wachsende Zahl an Mitgliedern, auch aus den Nachbardörfern wie Holtorfsloh, führte in den 1960er Jahren erneut zu Platzproblemen. 1961 beschloss die Generalversammlung den Bau eines modernen Bankgebäudes an der Horner Straße, das 1963 bezogen wurde. Parallel wurde auch für Ohlendorf ein Neubau geplant, da die Annahmestelle den Anforderungen nicht mehr genügte. Nach längeren Verhandlungen konnte 1968 ein Grundstück erworben werden, auf dem 1969/70 ein Bankgebäude entstand. Dieses wurde im November 1971 eröffnet und prägte fortan das Ortsbild.
Für die Leitung der neuen Geschäftsstelle Ohlendorf wurde Bernd Grote eingesetzt, der mit großem Einsatz das Vertrauen der Bevölkerung gewann. 1973 übergab er die Aufgabe an Karl-Werner Vick, der trotz fehlender bankspezifischer Ausbildung mit Engagement und Zielstrebigkeit die positive Entwicklung fortführte. Unter seiner Leitung setzte sich das Wachstum der Geschäftsstelle kontinuierlich fort, sodass die Bank ihren Platz in der Mitte Ohlendorfs dauerhaft festigen konnte.
In den frühen 2000ern wurde die Ohlendorfer Filiale dann mit der Ramelsloher Filiale zusammengelegt. Das Gebäude wurde dann von der Firma Behr Gemüsegarten übernommen und beherbergt heute die IT sowie die Erlösabrechnung.
Bilder:
Sammlung Karl-Werner Vick
Astrid Wendland
HANDEL MIT LEBENSMITTELN
Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein versorgten sich die meisten Menschen in Ohlendorf noch überwiegend selbst. Lebensmittel wurden auf Wochenmärkten in Winsen, Harburg oder Buchholz gehandelt, oft direkt von Bauern oder Händlern aus der Region.
Ab den 1870er- und 1880er-Jahren entstanden in vielen Dörfern in der Umgebung die ersten kleinen Läden, in denen sogenannte Kolonialwaren – also Produkte wie Kaffee, Zucker, Reis oder Gewürze – angeboten wurden.
Das war auch in Ohlendorf der Fall. Familie Dreves handelte bereits Anfang des 20. Jahrhunderts mit Geflügel aus dem Dorf. Hühner und Gänse wurden bei den Bauern gekauft, gerupft und dann in Harburg oder Hamburg verkauft. Viele Frauen aus dem Dorf halfen das Geflügel zu rupfen. Dies stellte einen lukrativen Nebenverdienst dar. Aus dem Geflügelhandel entstand später ein Ladengeschäft für Kolonialwaren.
Kolonialwaren bedeuteten für viele Familien ein besonderes Stück „Welt“ im Alltag und machten die Laden zu wichtigen Treffpunkten im Dorfleben. Neben Waren führte das Geschäft bald auch Grundnahrungsmittel, normale Haushaltswaren und manchmal sogar Textilien.
Mit der Zeit vergrößerte sich der Betrieb der Familie Dreves. In den 60iger Jahren wurde ein Wohnhaus mit integriertem Supermarkt gebaut. Noch heute ist der Edeka-Markt "Dreves" vielen Dorfbewohnern in guter Erinnerung. Er existierte bis in die frühen 2000er und wurde dann in eine SCHLECKER Filiale umgewandelt. Zuletzt beherbergte er ein "Kamin-Kaufhaus".
HANDEL MIT PFERDEN
Pferde spielten im Landkreis Harburg immer eine zentrale Rolle – als Arbeitstiere in der Landwirtschaft, als Zugpferde für Kutschen und Wagen sowie für das Militär. Entsprechend lebte ein Teil der Bauern und Händler auch vom Pferdehandel. Auf regionalen Märkten, etwa in Winsen oder Harburg, wurden Pferde angeboten, geprüft und gehandelt. Solche Pferdemärkte waren nicht nur wichtige Wirtschaftstermine, sondern auch gesellschaftliche Ereignisse im Dorfleben.
Mit dem Aufkommen der Eisenbahn und später der Motorisierung verlor das Pferd allmählich an Bedeutung. Ab den 1920er-Jahren wurde es zunehmend durch Traktoren und Lastwagen ersetzt. Dennoch blieb der Pferdehandel zunächst bestehen, da viele kleinere Höfe weiterhin auf Pferde angewiesen waren.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte der Pferdehandel noch einmal eine kurze Blütezeit, weil die Versorgung mit Treibstoff knapp war und Pferde für Transport und Feldarbeit unverzichtbar wurden. Ab den 1950er-Jahren setzte jedoch der endgültige Wandel ein: Land- und Fuhrwirtschaft stellten fast vollständig auf Maschinen um. Der Pferdehandel verlor damit seine wirtschaftliche Grundlage.
Heute hat er im Landkreis Harburg nur noch im Bereich des Reit- und Freizeitsports eine Bedeutung – als Erinnerung an eine Zeit, in der Pferde das Alltagsbild der Dörfer prägten.
Jahrzehntelang existierte die Pferdehandlung von Karl-August Bellmann in der Straße "Zum Jugendheim". Auf der Suche nach den besten Pferden - zuletzt im Bereich der Sportpferde - bereiste er ganz Europa. Dies brachte ihm in seinem Schützenkönigsjahr den Namen "Kalle der Internationale" ein.
OHLENDORFER "KARSTADT"
Im Jahre 1922 gründete Wilhelm Schmidt in Ohlendorf ein Kaufhaus. Es führte alle gängigen Artikel, die man im Dorf damals benötigte, wie Berufsbekleidung und Werkzeuge aller Art. In den Nachbardörfern wurde der Name "Ohlendorfer Karstadt" gebräuchlich. Außerdem gehörte zu dem Laden die Poststelle.
Vor Weihnachten war auf dem Dachboden eine große Spielzeugausstellung zu bewundern. Hier fuhren beleuchtete Modelleisbahnen durch Tunnel und gaben laute Signale. Viele ältere Dorfbewohner erinnern sich gern an die Zeit, wo sie als kleine Kinder beim Anblick der Ausstellung große Augen machten, doch leider blieb so mancher Wunsch ungehört. Viele Eltern konnten sich damals diese Dinge schlichtweg nicht für ihre Kinder leisten.



Quelle:
Richers, Wilhelm 1977 - Die Chronik der Dörfer Ohlendorf und Holtorfsloh
Vick, Karl-Werner 2005 - Unser Ohlendorf "Dat ole Dörp"
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