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Die Forstwirtschaft

Bilder:

Sammlung Karl-Werner Vick

HERRSCHAFTLICHER WALD

Der Wald in der Ohlendorfer Gemarkung gehörte bis 1828 der sogenannten "Herrschaft". Je nach Zeitperiode waren das entweder die Herzöge von Braunschweig und Lüneburg oder – nach der Auflösung des Kurfürstentums Braunschweig-Lüneburg durch den Wiener Kongress im Jahr 1814 – die Könige aus dem Welfenhaus von Hannover.

In der damaligen Vogtei Pattensen, die zum Amt Winsen gehörte, war der Buchwedel eines der größten Waldgebiete. Die "Herrschaft" hatte das Recht auf die Nutzung des Eichen- und Buchenholzes sowie auf Jagd, Viehmast und Holzschlag. Zur Durchsetzung dieser Rechte setzte sie ihre Beamten ein: Der Amtsvogt in Pattensen und der Holzvogt in Stelle waren für die Aufsicht über das Waldgebiet zuständig.

Im Herbst war es Amts- und Holzvogt vorbehalten, ihre Schweine zur "Mast" durch den Buchwedel treiben. Eicheln und Bucheckern waren die ideale Nahrung für die Tiere, da es kaum andere Futterquellen gab. Heu und Stroh fraßen die Schweine nicht, und das wenige angebaute Roggenkorn war ausschließlich für den menschlichen Verzehr bestimmt. Die Kartoffel war bis ins 18. Jahrhundert noch unbekannt.

Die übrigen Wälder in der Gemarkung Ohlendorf waren sogenannte "gemeine Bauernholzungen". Hier konnten die Ohlendorfer Bauern nicht nur ihre Schweine mästen, sondern hatten auch das Recht auf Wagenholz für den Bau von Fuhrwerken sowie auf Bauholz. Die Nutzung dieser Ressourcen unterlag jedoch strengen Regeln: Der Amtsvogt aus Pattensen setzte einen örtlichen Holzvogt ein, der die Holzvergabe überwachte. Kein Baum durfte ohne Genehmigung gefällt werden, und Verstöße wurden streng geahndet. Wer seine Rechte übermäßig beanspruchte – etwa durch das sogenannte "Überhauen" (übermäßiges Fällen) oder den "ungebührlichen Plaggenhieb" (unerlaubte Entnahme von Bodenbewuchs) – musste mit Geldstrafen oder Arbeitsdiensten rechnen. Die Urteile fällte das Holzgericht in Pattensen.

HOLZ VON MÄSSIGER QUALITÄT

Generell wurden die Ohlendorfer Wälder als "geringe Hölzer" bezeichnet. Qualität und Ertrag waren nach dem Dreißigjährigen Krieg scheinbar eher gering. 

Bis 1700 werden in den alten Urkunden lediglich Eichen und Buchenwälder erwähnt, aber keine Birken- oder Heinbuchenwälder, die damals durchaus existierten. Etwa um 1700 ist dann die Aufforstung einzelner Nadelwälder im Gebiet des heutigen Landkreises Harburg dokumentiert. Ab 1756 wurden größere Versuche mit planmäßigen Aufforstungen mit Nadelhölzern in den hiesigen Staatsforsten durchgeführt. Die heute geschlossene Waldfläche im Nordosten von Ohlendorf bestand bis zur Verkoppelung 1835 vom heutigen Friedhof bis zum Alten Postweg durchgängig als kahle Heidefläche. Diese Fläche wurde bis dahin lediglich als Schafweide, sowie zum Plaggen (als Streu für die Viehställe) genutzt. 

PRIVATISIERUNG DER GEMEINFLÄCHEN

Mit der Lüneburger Gemeinheitsteilungsverordnung von 1802 wurde ein erster Schritt unternommen, die Nutzung der Waldflächen durch Privatisierung effizienter zu gestalten. Dadurch konnten Weide- und Mastrechte in den Wäldern sowie das Recht auf Plaggenhieb und Holznutzung aufgehoben werden. Stattdessen wurden die bisher gemeinschaftlich genutzten Flächen unter den Mitgliedern der Gemeinde aufgeteilt und in Privateigentum überführt.

Die Teilung der Forsten (Wälder) sah in Ohlendorf wie folgt aus und wurde im Jahre 1828 durch einen Teilungsvergleich abgeschlossen: 

  • 182 Morgen Forst wurden geteilt

  • 172 Morgen Forst blieben bei der Dorfschaft, ein Teil blieb Gemeinheit

  • 33% des Forstes musste entschädigt werden, da sie dem Grundherren zustand

  • die "Steinbeckswriete" wurde an den Fiskus abgegeben und 1.200 Taler sind in 6 Jahresraten zu 200 Taler an die Domänenkammer in Hannover zu zahlen 

  • kleinere auf den Forsten ruhende Verpflichtungen mussten ebenso abgelöst werden (Stammgeld für den Holzvogt, Entschädigung für den Förster, sowie Deputatholz zum Heizen für die Kirche in Pattensen) 

VERÄNDERUNGEN DURCH AUFFORSTUNG UND RODUNG

In den folgenden 100 Jahren veränderte sich das Erscheinungsbild des Waldes, der nun in bäuerlichem Besitz war. Einige Waldgebiete, wie die „Ohe“ in Richtung Stelle und das „Suderholz“ in Richtung Thieshope, wurden verkleinert. Andere Flächen, die zuvor unfruchtbare Heidegebiete waren – darunter die sogenannten „Askuhlen“ (linke Seite Richtung Rehberg), der „Weiße Sand“ (vor der Alten Postbrücke) und der Fischteichssand – wurden mit Kiefern aufgeforstet. Diese Flächen waren zuvor weder für die Landwirtschaft noch für die Forstwirtschaft nutzbar. Die Aufforstung verlief nicht überall erfolgreich. Besonders in den Askuhlen war es schwierig, den lockeren Dünensand zu stabilisieren. Die erste Generation Kiefern war wenig ertragreich und diente hauptsächlich als Brennholz.

Nach der Aufteilung der Waldflächen im Jahr 1828 übernahmen die Ohlendorfer Eigentümer selbst die Bewirtschaftung. In den Wintermonaten, wenn die landwirtschaftlichen Arbeiten weitgehend ruhten, wurde die Forstarbeit zur Hauptbeschäftigung der Bauern. Ab dem ersten Montag nach Neujahr waren die Knechte dazu verpflichtet, Bau- und Brennholz zu schlagen.

Nach 1842 gab es nur noch wenig Laubwald im Ohlendorfer Gebiet.

VERBLIEBENER GEMEINHEITSFORST WIRD AUFGETEILT

Um 1955 war die gemeinschaftliche Pflege des Gemeinheitsforstes nicht mehr praktikabel. Daher beschloss die Gemeinde Ohlendorf, die verbliebenen Waldflächen unter den berechtigten Interessenten aufzuteilen. Im Winter 1956/57 führte das Katasteramt die Vermessung durch. Schließlich wurde am 13. August 1957 in Maacks Gasthaus die Beurkundung vollzogen, womit der letzte Teil des gemeinschaftlich bewirtschafteten Waldes in Privatbesitz überging.

Quelle:

Dederke, Peter 2005           -     Die Geschichte eines Dorfes am Rande der                                                                                              Geest - Pattensen

Richers, Wilhelm 1936        -     Ohlendorf - Die Geschichte eines Dorfes - (Artikel Winsener                                                                Nachrichten)

Richers, Wilhelm 1977        -     Die Chronik der Dörfer Ohlendorf und Holtorfsloh

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