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Der Kiesabbau

Bilder:

Sammlung Karl-Werner Vick

ROHSTOFFABBAU VON KIES UND SAND

Der südliche Teil des Landkreises Harburg liegt geologisch in einer Zone, in der eiszeitliche Ablagerungen (Sander, Geschiebemergel etc.) vorkommen.

Ein früher Beleg für das Interesse an den Rohstoffen um Ohlendorf ist ein Gewinnungsvertrag von 1906, den Ohlendorfer Bauern mit der Internationalen Bohrgesellschaft (Erkelenz) schlossen: Er gewährte der Firma Rechte zur Aufsuchung und Förderung von Öl, Salz und Kali auf örtlichen Flurstücken. Auch wenn daraus keine dauerhafte Förderung von Öl erwuchs, markiert dieser Vertrag die frühe Phase eines lokalen „Rohstoffzeitalters“ – Jahrzehnte bevor der großflächige Kiesabbau begann.

Ohlendorf ist seit Jahrzehnten eng mit dem Abbau von Sand und Kies verbunden. Was heute häufig mit großflächigen Baggerseen, Förderbändern und LKW-Verkehr assoziiert wird, hat seine Wurzeln in einer langen regionalen Geschichte:

LOKALE NACHFRAGE

Schon im 19. Jahrhundert wurde in der Umgebung Sand und Kies in kleinem Umfang entnommen – zunächst für den Straßen- und Hausbau in den Dörfern der Nordheide und im nahen Hamburg. Mit der Industrialisierung und dem Bau neuer Verkehrswege wuchs die Nachfrage stetig, sodass auch in Ohlendorf erste größere Abbauflächen entstanden.

 

Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg gewann die Förderung von Kies und Sand an Bedeutung: Für den Wiederaufbau Hamburgs und den Bauboom der Nachkriegszeit lieferten die Gruben im Seevetaler Raum unzählige Tonnen Kies und Sand. Der Kiesabbau prägte das Landschaftsbild, die Wirtschaft und den Alltag der Menschen in Ohlendorf gleichermaßen. Auf der einen Seite brachte er Arbeitsplätze und Einkommen, auf der anderen Seite aber auch Lärm, Staub und tiefe Eingriffe in Natur und Grundwasser.

 

Heute stehen die Ohlendorfer Abbauflächen beispielhaft für die Geschichte vieler norddeutscher Gemeinden: vom kleinräumigen Rohstoffabbau über industrielle Großprojekte bis hin zu den aktuellen Debatten um Umweltschutz, Rekultivierung und nachhaltige Rohstoffnutzung. 

KLEINE KIESGRUBEN

Schon vor dem Zweiten Weltkrieg entstanden erste kleinere Gruben, die von örtlichen Bauern betrieben wurden. Im Bereich des Ohbergs in Richtung Stelle vor dem Bereich der heutigen Kreuzung von Ohlendorfer & Steller Straße befanden sich rechts und links der heutigen Straßenführung kleinere lokale Kiesgruben. Mit Schaufeln und Pferdefuhrwerken  gewann man das Material welches für den lokalen Haus- oder Wegebau verwendet wurde. 

PROTEST

Mit der Schaffung des Kieswerks durch die Firma Fittschen, später Ostwald/Dörner im Bereich der Holtorfsloher Straße wurden Arbeitsplätze geschaffen - gleichzeitig veränderte sich der Alltag: Schwerlastverkehr rollte durch die engen Dorfstraßen, Lärm und Staub gehörten fortan zum Alltag und landwirtschaftliche Flächen gingen verloren. In den 1980er Jahren geriet der Kiesabbau immer stärker in die Kritik, auch deswegen weil die erschöpften Abbauhalden mit Müll oder belastetem Hafenschlick verfüllt wurden. Naturschutzverbände und Bürgerinitiativen forderten Begrenzungen, Schutz des Grundwassers und verbindliche Rekultivierungspläne. Auch in Ohlendorf bildete sich eine Bürgerinitiative gegen den Schwerlastverkehr aus der später der Verein zur Erhaltung gesunden Lebensraumes hervorging.

 

Jahrelang wurde der erschöpfte Bereich der Kiesvorkommen in den 1970er und 1980er Jahre an der Brackeler Straße als Mülldeponie verwendet. Die letzten Reste des Kieswerks an der Holtorfsloher Straße konnten glücklicherweise renaturiert werden, sodass Teile der ehemaligen Abbauflächen heute Lebensräume für Pflanzen- und Tierarten darstellen.  

KIESTRASSE 

Die verbliebene Abbaufläche der Firma Dörner befindet sich angrenzend zum ehemaligen Kieswerk Ohlendorf. Um den Ort vom Schwerlastverkehr zu entlasten wurde eine Kiestrasse auf dem Gebiet der Gemeinde Brackel gebaut, die parallel zur A7 verläuft und das heutige Kies- und Sandabbaugebiet an die BAB-Anschlussstelle Brackel anbindet. Diese Trasse wird auch für den LKW-Verkehr der Firma Behr Gemüsegarten verwendet, um die Emissionsbelastung für die Dorfbevölkerung der angrenzenden Orte so gering wie möglich zu halten. 

Quelle:

Archiv Gemeinde Seevetal  -         Chronik der Gemeinde Helmstorf

Archiv Landkreis Harburg 

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