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Die Landeskirchliche Gemeinschaft

Bilder: 

Sammlung Karl-Werner Vick

VERSCHIEDENE KIRCHLICHE STRÖMUNGEN

Seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war die evangelische Kirche immer wieder Spannungen ausgesetzt. Unterschiedliche geistliche Strömungen prallten aufeinander und stellten das kirchliche Leben vor Herausforderungen.

ENTSTEHUNG DER GEMEINSCHAFTEN IN DER NORDHEIDE

Im 19. Jahrhundert wirkten zunehmend liberale und weltliche Einflüsse auf die Kirche ein. Menschen, die sich dem von Luther geprägten „wahren Christentum“ verbunden fühlten, suchten deshalb nach geistlicher Erneuerung. In der Nordheide bildete sich daraufhin in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine eigene Gemeinschaft, die sich bewusst vom Rationalismus und der Aufklärung abgrenzte und am traditionellen Luthertum festhielt.

In Ohlendorf ging diese Bewegung maßgeblich auf Johann Peter Grote zurück. Der Schäfer wurde 1848 bei der Arbeit auf der Heide von einem Wanderprediger bekehrt. Sein Eifer war groß: Ab 1859 lud er Gleichgesinnte in das spätere Haus des Kaufmanns Schmidt ein, um an Sonntagabenden gemeinsam in tiefempfundener Frömmigkeit das Wort Gottes zu hören.

ANSCHLUSS AN DIE HERMANSBURGER ERWECKUNG

Zur selben Zeit fand die Ohlendorfer Gemeinschaft Anschluss an die Hermannsburger Erweckungs- und Missionsbewegung um Pastor Ludwig (Louis) Harms, die den strengen lutherischen Glauben verbreiten wollte.

Viele Ohlendorfer machten sich freitags und sonnabends in aller Frühe zu Fuß auf den 70–80 km langen Weg nach Hermannsburg. Übernachtet wurde in einer Scheune in Raven. Die Predigten von Louis Harms beeindruckten die Besucher tief, und gedruckte Missionsschriften der Hermannsburger Mission bildeten bald den Mittelpunkt ihrer eigenen religiösen Feierstunden.

WACHSENDE GEMEINSCHAFT

Die Zahl der Gläubigen wuchs stetig. Die Treffen fanden nun nicht mehr bei Grote, sondern abwechselnd in verschiedenen Häusern statt. Schlichte Bauernstuben wurden hergerichtet; die Feierstunden waren frei gestaltet – mit Glaubensliedern, Bibeltexten, gelesenen oder freien Predigten und Gebeten.

Auch umliegende Orte wie Ramelsloh, Scharmbeck, Pattensen, Stelle, Fliegenberg, Jesteburg und Brackel schlossen sich der Erweckungsbewegung an. Es entstanden zahlreiche Gemeinschaften und ein reger geistlicher Austausch.

KONFLIKTE MIT DER AMTSKIRCHE

Diese Entwicklungen führten auch zu Spannungen. Der Pattensener Superintendent Fiedler (1842–1864), Vertreter eines moderaten und rational geprägten Glaubens, stand der neuen Bewegung ablehnend gegenüber. Die Ohlendorfer beschwerten sich beim Generalintendanten des Kirchenkreises Winsen – mit Erfolg: 1860 wurde Fiedler gemaßregelt und erhielt einen „Collaborator“, mit dem er sich in den Predigten abwechseln musste.

Daraufhin besuchten die Ohlendorfer Gottesdienste in jenen Gemeinden, in denen sie das Gotteswort in ihrem Sinne hörten – darunter Winsen, Stelle und Pattensen.

Trotz gelegentlicher Missverständnisse suchten die Gemeinschaften nie die Abkehr von der Kirche, sondern wollten sie ergänzen und beleben. Die Ohlendorfer galten als treue und eifrige Kirchgänger.

DER OHLENDORFER POSAUNENCHOR

1875 entstand der Posaunenchor. Inspiriert durch die Posaunenchöre in Hermannsburg und unterstützt vom ehemaligen Berufsmusiker Peter Meinecke aus Ramelsloh, etablierte sich der Chor schnell. 1884 wurden beim großen Brand in Ramelsloh mehrere Instrumente zerstört. Erst Weihnachten 1893 konnten wieder neue Instrumente angeschafft werden. Seit den vergangenen 150 Jahren ist der Posaunenchor bis heute fester Bestandteil der Ohlendorfer Gemeinschaft und trägt bei vielen dörflichen Veranstaltungen zur musikalischen Untermalung bei. 

WEITERE ENTWICKLUNGEN BIS 1945

1907 gewann die Gemeinschaftsbewegung neuen Schwung, als der Harburger Gemeinschaftsleiter Maack die Region evangelisierte. Große Kirchspiele – Ohlendorf gehörte zu Pattensen – begünstigten die Bildung solcher Gemeinschaften, da sie oft den individuellen Bedürfnissen der Gläubigen nur unvollständig nachkommen konnten.

Während des Ersten Weltkriegs entstand ein Gitarrenchor. Am 27. August 1920 gründeten acht junge Menschen den „Jugendbund für entschiedenes Christentum“.

In der NS-Zeit wurden die Gemeinschaften verboten; Mitgliederlisten wurden vernichtet. Dennoch hielten die Ohlendorfer ihre Treffen heimlich weiter ab.

DIE ZEIT NACH DEM 2. WELTKRIEG

Nach 1945 zählte knapp die Hälfte der Bevölkerung zur Gemeinschaft. Die Versammlungen fanden dienstags und freitags bei Schmidts Laden oder auf der Diele der Familie Richers statt. Die Ausstattung war schlicht, die Atmosphäre herzlich und generationsübergreifend. Die Anrede „Bruder“ und „Schwester“ war üblich.

Die Missionsfeste fanden nach 1947 am 2. Pfingsttag in der Scheune des Vollhöfners Oertzen statt. Zuvor waren Gasthöfe und Höfe in Ramelsloh und Ohlendorf die Veranstaltungsorte.

Der Jugendbund richtete sonntags einen gut besuchten Kindergottesdienst in der Ohlendorfer Schule aus.

Ab 1959 entstanden Jungschargruppen für 10- bis 14-Jährige, die seit 1961 bis heute das Pfingstzeltlager veranstalten.

BAU DES GEMEINSCHAFTSHAUSES

Die wachsende Gemeinschaft benötigte mehr Raum. Dank Planung, einem gestifteten Grundstück und großer Eigenleistung konnte am 25. Februar 1962 das neue Gemeinschaftshaus am Missionsweg eingeweiht werden. Es bietet:

  • einen großen Saal mit Bühne

  • ein Kaminzimmer

  • einen Gruppensaal und einen kleineren Gruppenraum

  • Küche und sanitäre Anlagen

Mehrfach modernisiert, wurde in den 2010er Jahren ein Nachbargebäude erworben. Der Garten dient bis heute als zusätzliche Veranstaltungsfläche.

AKTIVITÄTEN DER SPÄTEREN JAHRZEHNTE

Über viele Jahre organisierten EC-Mitarbeiter Kanutouren in Schweden. Außerdem pflegt der EC Ohlendorf bis heute Kontakte nach Rumänien und unterstützt dort ein EC-Kinderheim sowie Gemeinden durch Hilfslieferungen.

Von 1980 bis 2010 blieb die Zahl der Besucher im Jugendkreis relativ konstant. In jüngerer Zeit erschweren Ganztagsbetreuung, veränderte Lebenswelten und der Wegzug junger Mitarbeitender die Arbeit.

Der Jugendbund wird heute nicht mehr von einzelnen Vorsitzenden, sondern von Leitungsteams geführt. Zudem gibt es eine BFD-Stelle, die gemeinsam von Kirchengemeinde und EC finanziert wird – eine wichtige Unterstützung, um ein vielfältiges Veranstaltungsangebot sicherzustellen.

Quelle:

Lehrer aus Ohlendorf Kage, Arnold (?)  1958        -  Aufsatz: Die Entwicklung des christilich - religiösen Lebens in Ohlendorf und seine volkserzieherische Auswirkung

Pape, Ingo 2022      -  100 Jahre EC-Jugendkreis Ohlendorf (http://chronik-ramelsloh.de/100-jahre-ec-jugendkreis-ohlendorf/)

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