
Ohlendorf
Von der Amtsvogtei zur Kreisverwaltung

PATTENSEN AUCH VERWALTUNGSZENTRUM
Wie es für die kirchliche Zugehörigkeit lange galt, gehörte Ohlendorf seit Ende des Spätmittelalters verwaltungsorganisatorisch zu erst zur "Acht Ramelsloh", die später dann in die "Vogtei Pattensen" überging.
Eine "vogedie to Pattensen" wird erstmals im Winsener Schatzregister von 1450/51 genannt, einer Zusammenstellung der in diesen Jahren durch Herzog Friedrich den Frommen von Lüneburg mit Zustimmung der Landstände (Ritter, Geistlichkeit und Städte) bewilligten allgemeinen Landbede (Grundsteuer).
BEGINN EINER VERWALTUNG
Mit der Bildung des Fürstentums Lüneburg im 13. und 14. Jahrhunderts entstanden auch die ersten Anfänge einer Verwaltung. Das Fürstentum bildete allerdings zu diesem Zeitpunkt noch keine Einheit, so verfügten auch die Herzöge von Sachsen-Lauenburg, die Grafen von Hoya und der Bischhof von Verden über Landbesitz in diesem Gebiet. Die Verwaltung konnte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr allein von den Burgen und Schlössern in Celle ausgeübt werden, daher entstand ab den 14. Jahrhundert eine erste Amtsverwaltung und Amtsverfassung.
Schon zur Sachsenzeit bildeten sich Goh-und Landgerichtsbezirke, zu denen schon seit früher Zeit jeweils die Bewohner mehrere Ortschaften gehörten. Im Laufe des Mittelalters verfestigten sich diese Strukturen immer mehr und wurden unter der Oberaufsicht der Landesverwaltung gestellt. So soll auch die Vogtei Pattensen aus einem Goh einstanden sein.
Für die Umgebung von Ohlendorf werden im Winsener Schatzregister neben der Vogtei Pattensen, die Marschvogtei, sowie die die Vogteien Bardowick, Salzhausen und Harburg genannt. Auch die Acht Ramelsloh wurde als erste Verwaltungseinheit aufgezählt.
VERPFÄNDETE LOKALVERWALTUNGEN
Die damalige Verwaltungshoheit zu organisieren wurde auch dadurch erschwert, dass die Herzöge wegen dauerhafter finanzieller Probleme viele ihrer Burgen und Schlösser an Städte und Adelige verpfändet hatten. Diese übten während der Pfandzeiten gegenüber den Bewohnern des dazugehörigen Bezirks auch die obrigkeitlichen Befugnisse aus und zogen die Einnahmen für den Bezirk ein. Für Winsen sind in der Zeit zwischen 1374 und 1523 mehrere Verpfändungen belegt. Dies galt sicherlich auch für Pattensen und somit für Ohlendorf. Erst im Laufe des 16. Jahrhunderts konnte mit dem Einlösen der Pfandschaften die Lokalverwaltung eine feste Grundlage durch "Ordnungen" und "Befehle erhalten. Diese Ämter wurden durch Amtmänner geleitet, die die landesfürstlichen Hoheitsrechte ausübten und die gleichzeitig mit der Verwaltung des Grundbesitzes für den Landesherrn beauftragt waren.
Zu den hoheitliche Aufgaben gehörten:
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das Überwachen der Grenzen
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die Einhaltung der Polizeiordnungen
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die Erhebung des Zoll- und Wegegeldes
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Pflege der Wälder und Gehölze
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Ausübung der Gerichtsbarkeit durch Land- und Holzgerichtstage
FRÜHE ZUORDNUNG ZUR "ACHT RAMELSLOH"
In den Jahren 1450/51 war der Ort Ohlendorf nach dem in Winsener Schatzregister der "Acht Ramelsloh" zugeordnet. Dies galt laut der Ortschronik Ohlendorf von 1977 lange als der älteste urkundliche Erwähnung. Seitdem haben weitere Forschungen des Seevetaler Gemeindearchivs ergeben, das die früheste Überlieferung auf 1252 - im Zusammenhang mit der Zugehörigkeit zum Bistum Verden - datiert werden konnte.
Im 17. Jahrhundert wurden dann die Dörfer der Acht Ramelsloh unter der Vogtei Pattensen geführt. Ein Protokoll über die Abhaltung des Landgerichtes vom 17. Oktober 1621 lautet: "Landgericht der Acht Ramelsloh in der Vogtey Pattensen...". Neben Ohlendorf gehörten 1673 zum Untervogteybezirk der Acht Ramelsoh 20 andere Dörfer von Maschen im Norden über Marxen, Jesteburg und Hanstedt bis Wesel im Süden. 1750 wurde die herrschaftliche Schäferei Thieshope hinzugefügt. Auf der Pattensener Vogtei Karte von 1600 ist Ohlendorf interessanterweise zwischen Ramsloh (Ramelsloh) und Holtdorff (Holtorfsloh) nicht eingezeichnet.
1743/44 wurde das Kontributionskataster zur Steuererhebung erhoben. Darin ist Ohlendorf mit 10 Vollhöfen, 3 Koten und 2 Brinksitzer enthalten.
RECHTSPFLEGE
Zu dieser Zeit wurde die Rechtspflege weiterhin in den Grenzen der Vogteien durch Landgerichtstage ausgeübt. Diese Gerichte entschieden über alle rechtlichen Angelegenheiten des täglichen Lebens und fällte Urteile von der Geld- bis hin zur Todestrafe. Strafen wurden in der Regel sofort vollstreckt. Die Geldstrafe musste sofort beglichen werden, Urteile gegen das Leben wurden auf der Richtstätte der Amtsvogtei, dem Galgenberg (heute Bezeichnung Garlsberg - bewaldeter Hügel an der Landstraße nach Luhdorf, hinter OHE Bahnübergang auf der rechten Seite) vollstreckt.
Für die Vogtei Pattensen endete die Gerichtsbarkeit, wie für alle anderen Vogteien auch mit dem Landtagsabschied von 1639 und ging auf die fürstliche Kammer in Celle und auf die Ämter über.
WECHSELNDE VERWALTUNGSZUGEHÖRIGKEITEN
Das Gebiet der Verwaltung durch die Vogtei Pattensen änderte sich bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts nur wenig. Erst die Personalunion zwischen den Kurfürstentum Hannover und dem Königreich England die seit 1714 Bestand hatte blieb zu Beginn des 19. Jahrhunderts nicht ohne politische Auswirkungen für das Fürstentum Lüneburg.
Nach dem Aussterben des selbständigen Herzoghauses Lüneburg durch den Tod des "letzten Heideherzogs" Georg Wilhelm von Lüneburg-Celle am 28.08.1705 war das Fürstentum Lüneburg mit der welfischen Erblinie mit dem Kurfürstentum Hannover vereinigt worden. Von 1803 bis 1813 besetzte Frankreich das Kurfürstentum Hannover und stellte es unter Militärverwaltung, um politischen Druck auf den englischen König und hannoverschen Kurfürsten Georg IIi. Wilhelm Friedrich auszuüben. Frankreich führte zu dieser Zeit Krieg gegen England mit dem Ziel der Annexion von Malta. Preußen besetzte Hannover zwischenzeitlich für 10 Monate im Jahr 1806. Im März 1810 gliederte Frankreich Hannover in das Königreich Westphalen ein, ab 1810 wurde Hannover dann Bestandteil des Königreiches Frankreich. Die Verwaltung durch Ämter und Vogteien blieb in diesen Jahren unverändert erhalten.
Während der französischen Besatzung erfolgte eine umfangreiche Verwaltungsneugliederung. Rechtsprechung und Verwaltung wurden getrennt. Die Gliederung sah eine Aufteilung in Departments, Distrikte, Kantone und Kommunen vor. Die Kommune Pattensen gehörte nun zum Department Ilmenau mit Sitz in Lüneburg, innerhalb des Departments zum Kanton Winsen. Aus dem Amtsvogt wurde der "Maire". Die Kommune Pattensen bestand im Jahre 1810 aus den Dörfern: Holtorf, Ohlendorf, Ramelsloh, Horst, Maschen mit Freschenhausen, Stelle, Ashausen, Scharmbeck, Bahlburg, Wulfsen, Tangendorf und Thieshope mit 2.768 Einwohnern.
Napoleon erlitt 1813 eine schwere Niederlage in Rußland, welches das Ende des Kaiserreiches auf hannoverschen Boden einläutete. Erst im Mai 1814 konnten die letzten Franzosen vertrieben werden. Mit der Wiedereinsetzung durch Georg III. durch den Wiener Kongress 1815 trat die Amtsverfassung im Königreich Hannover wieder in Kraft. Aus der Maire Pattensen wurde wieder die Amtsvogtei Pattensen.
In der Folgezeit gab es 1823 und 1852 weitere Verwaltungsreformen. 1852 zog die Amtsverwaltung des neuen Amtes Pattensen in das Winsener Schloß. Die bisherige Amtsvogtei in Pattensen wurde Außenstelle.
AMT PATTENSEN GEHT SCHLIESSLICH IN KREIS WINSEN ÜBER
Im Jahr 1859 wurde das Amt Pattensen dem Amt Winsen zugeschlagen. 1866 endete das Königreich Hannover durch die Annexion Preußens. Die preußische Regierung übernahm bis zu eigenen Neuordnungen 1869 und 1885 (Kreisordnungen) die vorhandenen Verwaltungsstrukturen. Im Laufe des Jahres 1867 endete die Tätigkeit der Amtsvögte in Pattensen und deren Aufgaben gingen auf das Amt Winsen (Luhe) über. Die Ohlendorfer Bürger mussten von nun an nach Winsen (Luhe) begeben, um Amtsgeschäfte zu klären.
KREIS WINSEN WIRD MIT KREIS HARBURG ZUSAMMENGELEGT
Der Staat Preußen bildete ab 1885 aus dem Ämtern Harburg und Tostedt den Kreis Harburg und aus dem Amt Winsen und Stadt Winsen den Kreis Winsen. Am 1. August 1932 wurde der größte Teil des Kreises Harburg mit dem Kreis Winsen zum neuen Kreis Harburg zusammengelegt. Im Rahmen des Groß-Hamburg-Gesetzes von 1937 gingen die Stadt Harburg-Wilhelmsburg, die Gemeinden Altenwerder, Preußisch Finkenwerden, Fischbek, Francop, Gut Moor, Preußisch Kirchwerder, Langebek, Marmstorf, Neuenfelde, Neugraben, Neuland, Rönneburg Sinstorf, sowie die Ortschaft Overhaken (bis dahin Teil von Over) von Preußen an das Land Hamburg über.
LANDKREIS HARBURG ENTSTEHT
Nach dem 2. Weltkrieg wurde aus der Bezeichnung Kreis Harburg die bereits schon vorher verwendete Form "Landkreis Harburg". Die Kreisverwaltung mit Sitz in Harburg wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und siedelte 1944 in das Schloss Winsen (Luhe) um. Der Landkreis Harburg wurde 1946 Teil des Lands Niedersachsen. 1958 wurde Winsen (Luhe) als Kreissitz festgelegt. Im Jahre 1966 konnte ein moderner Neubau für die Kreisverwaltung bezogen werden.
EINGLIEDERUNG IN GEMEINDE SEEVETAL
Am 1. Juli 1972 war Ohlendorf Bestandteil der Gemeindereform und wurde in die Gemeinde Seevetal eingegliedert. Die Orte Holtorfsloh, Ohlendorf und Ramelsloh stellen einen Ortsrat. Aus der Ortsratswahl geht auch der Ortsbürgermeister für diese drei Orte hervor.
Bilder:
Wikipedia
Sammlung Karl-Werner Vick
Quelle:
Dederke, Peter - Pattensen - Die Geschichte eines Dorfes am Rande der Geest
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