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Die ev.-luth. Kirchengemeinde

CHRISTANISIERUNG DER SÜDLICHEN ELBREGION

Die Missionierung der in unserer Region damals ansässigen Sachsen setzte Ende des 7. Jahrhunderts ein. Maßgeblichen Anteil daran hatten Missionare, die von den Britischen Inseln nach Norddeutschland kamen. Jedoch scheiterten erste Bestrebungen die Friesen zu bekehren. Nur durch Unterstützung der fränkischen Staatsmacht (Merowinger und Karolinger) sollten sich im Verlauf einiger Jahre missionarische Erfolge einstellen. Erst die Anwendung von Waffengewalt konnte die Sachsen zur Aufgabe des "heidnischen Götzendienstes" zwingen. Im Laufe der Sachsenkriege stieß Karl der Große (742 - 814) mehrfach von Rhein und Weser bis zur Elbe vor. Dieser unterstützte tatkräftig die Missionierungsbestrebungen. 785, 795 und 798 ist Karls Aufenthalt in Bardowick belegt. 

GROSSKIRCHSPIELE IN DER REGION

Im Bereich des Landkreises Harburg entstanden im Zuge der Missionierung im 9. und 10. Jahrhundert die Großkirchspiele in Tostedt, Hollenstedt, Hittfeld, Jesteburg, Salzhausen und Pattensen, sowie das Stift Ramelsloh. 

Winsen wurde erst 1233 eine selbständige Kirchengemeinde und gehörte bis dahin zum Pattensener Großkirchspiel. 

PATTENSENER KIRCHE MITTELPUNKT DES KIRCHLICHEN LEBENS

Der Kirche Pattensen gehörten im 16. Jahrhundert folgende Orte an: Ashausen, Bahlburg, Borstel, Fachenfelde, Holtorf (Holtorfsloh), Luhdorf, Ohlendorf, Pattensen, Ramelsloh, Roydorf, Scharmbeck, Stelle, Tangendorf, Tönnhausen und Wulfsen. 

Als erster Ort löste sich 1684 Ramelsloh aus diesem Verbund. Nur die wenigen Häuser um die Stiftskirche gehörten faktisch zur Stiftskirche, die Dorfleute bis dato nach Pattensen.

 

ERSCHWERTE BEDINGUNGEN FÜR DEN KIRCHBESUCH

Die Gründe für eine Änderung der Zugehörigkeit lagen auf der Hand:

Bei Lebensereignissen wie Taufe, Konfirmation, Heirat und Tod musste die Familie den beschwerlichen Weg zur weit entfernten Pattensener Kirche auf sich nehmen. Besonders für Neugeborene, Kinder und Alte war dieser Umstand schwer tragbar. Zu dieser Zeit war es üblich die Neugeborenen - selbst im kalten Winter - am ersten oder zweiten Sonntag nach der Geburt zu taufen. In der Pattensener Chronik berichten die Pfarrer mehrfach über den strapaziösen Anreiseweg der entfernt wohnenden Gläubigen. 

Weitere Initiativen für eine Abtrennung anderer Dörfer waren von Erfolg gekrönt. Folgende Orte lösten sich von der Pattensener Kirche: 

1786 Borstel

1868 Stelle 

GENERALVISITATION GIBT EINBLICK IN DIE UMSTÄNDE

Im Jahre 1884 bescheinigte eine Generalvisitation der Kirchengemeinde allgemein einen guten Besuch der Gottesdienste. Von den vorhandenen Plätzen seien 4/5 regelmäßig besetzt. Als treueste Kirchgänger wurden die Einwohner von Tangendorf, Thieshope und Holtorf bezeichnet. Es wurde darauf aufmerksam gemacht, dass wegen des weiten Fußweges zur Pattensener Kirche viele Bewohner aus Ohlendorf die Ramelsloher Kirche besuchen würden. 

Als großen "Übelstand" bezeichnete der Pastor den Wirtshausbesuch der auswärtigen Kirchenbesucher. Diese bedürften regelmäßig nach dem Fußmarsch von ihren Wohnorten zur Kirche von bis zu eineinhalb Stunden in der Pause zwischen Beichte und dem Hauptgottestdienst einer "leiblichen Stärkung" in einem der Kirche gegenüberliegenden Wirtshäuser. Während dort das "weibliche Geschlecht" eine Tasse Kaffee konsumiere, setze sich das "männliche" aber mit Vorliebe "um die Schnapsflasche". Dabei störe ihn weniger der Schnapsgenuß, sondern mehr die dabei geführten "wenig geistlichen Gespräche". 

LÖSUNGSBESTREBUNGEN VON OHLENDORFERN

Auch in Ohlendorf mehrten sich die Lösungsbestrebungen von Pattensen und die Vereinigung mit Ramelsloh. Anträge hierfür wurden wiederholt gestellt (1840, 1864 und 1882), aber immer wieder vom Kirchenvorstand abgelehnt. Man befürchtete engagierte Kirchenmitglieder zu verlieren, geringere Abgaben sowie die Loslösung weiterer Orte.  

UMPFARRUNG NACH RAMELSLOH

Nachdem der Ohlendorfer Kirchenvorsteher Heinrich Maack, der bereits 43 Jahre in Pattensen Kirchdienst leistete, eine Abtretung zunächst noch verhindern konnte, riss nach dessen Tod im Jahre 1956 die starke Verbindung zwischen Ohlendorf und Pattensen.  Am 01.07.1957  war der Zeitpunkt  gekommen. Obwohl sich noch einige Familien gegen die Umpfarrung wehrten, waren diese Bemühungen aussichtslos. Mit den Gemeindemitgliedern aus Ohlendorf verlor die Pattensener Kirchengemeinde nicht nur eine große Anzahl von Mitgliedern, sondern musste auch einen sehr aktiven Personenkreis an die Ramelsloher Kirche abgeben. 

Für die Ohlendorfer Gläubigen verkürzte sich durch den Wechsel nach Ramelsloh die Distanz zu den kirchlichen Gottesdiensten von sieben auf einen Kilometer. 

Nach einer langen Odyssee mit mehreren Versuchen einer Umpfarrung bilden somit Ohlendorfer und Ramelsloher seit über 65 Jahren das Fundament für eine lebhafte gemeinsame Kirchengemeinde. 

Bilder:

Sammlung Karl-Werner Vick

Kirchengemeinde Ramelsloh

LGLN - Preus. Landesaufnahme 1880

Quelle:

Dederke, Peter  2005        -  Pattensen - Die Geschichte eines Dorfes am                                                           Rande der Geest

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