
Ohlendorf
Die Napoleonbrücke

Bilder:
Sammlung Karl-Werner Vick
Gröll, Walter - Auf alten Heidewegen
Voß, Karsten
LAGE DES ORTES
Durch seine geografische Lage im Süden von Hamburg, an der Grenze zwischen Elbmarsch und Geest, war die Gemarkung Ohlendorf seit der frühen Neuzeit ein wichtiger Bestandteil des offiziellen Wegenetzes.
ALTER POSTWEG HARBURG - LÜNEBURG
Bevor am 1. Mai 1847 die Eisenbahnstrecke Harburg – Lüneburg in Betrieb genommen wurde, spielte der "Alte Postweg" Harburg – Lüneburg eine zentrale Rolle im Verkehrssystem des Königreichs Hannover. Dieser historische Postweg begann in Harburg, führte über Jehrden, wo er die Seeve überquerte, und stieg dann bei Horst die Höhen hinauf. Von dort verlief er in gerader Linie durch das karge Heideland am Buchwedel entlang bis zur „Alten Postbrücke“, die später als Napoleonbrücke bekannt wurde. An dieser Stelle überquerte der Postweg den Ashäuser Mühlenbach.
Der weitere Verlauf führte über Pattensen, Bahlburg und Einemhof bis nach Lüneburg und war bis zum Bau der Eisenbahn eine bedeutende Verbindungsroute für Reisende und dem Postverkehr.
Diesen Weg befuhr Herzog August von Braunschweig-Lüneburg von Lüneburg aus am 13.08.1606 und ließ notieren: "biß Pattensen 3 meyll, biß Harburgk 3 meyll".
"POST MAACK" IN PATTENSEN
Ab 1790 wurde in der Amtsvogtei Pattensen eine Postspedition eingerichtet, die den Postverkehr in der Region organisierte. In den folgenden Jahren kam eine Relaisstation für den Pferdewechsel hinzu, die jedoch 1843 wieder aufgehoben und nach Winsen verlegt wurde.
Ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung der Poststation war das Jahr 1804, als der Postknecht Johann Christian Bollmeyer ein Wohn- und Wirtschaftsgebäude mit einer Gastwirtschaft errichtete (Hausnummer 38 – später bekannt als Post Maack).
Direkt quer über die Straße befand sich damals ein großes Tor mit einem Schlagbaum, das als Kontrollpunkt für den Durchgangsverkehr diente. Hier konnten Reisende und Postkutschen anhalten, Pferde wechseln und sich in der Gastwirtschaft stärken.
DIE POSTKUTSCHE
Einen Einblick in die damalige Postkutschenzeit gab der ehem. Uhrmachermeister Wilhelm Backhus aus Pattensen:
"Die Postkutschen fuhren zweimal wöchentlich schon bei Tagesanbruch (um drei oder vier Uhr) in Harburg oder Lüneburg ab, damit sie noch beizeiten am Nachmittag die Herberge in Pattensen (Post-Maack) erreichen konnten (der gesamte Weg von Harburg nach Lüneburg war bei damaligen Wegeverhältnissen mit Kutschen nicht an einem Tag zu schaffen). Man hörte schon von weitem wenn die Post kam. Die Postkutschen fuhren meistens mit vier Pferden, und wenn sie mit den eisenbereiften Wagen das Steinpflaster von Jehrden herunterfuhren, gab es ein ganz schönes Getöse. Dazu blies auch der Postillion noch in sein Horn...."
Von schneller Beförderung konnte man auch nicht sprechen, so kommen moderne Berechnungen auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 5.7 km/h. Die Beschaffenheit der Wege war aufgrund ihrer sandigen und wurzeldurchzogenen Oberfläche relativ schlecht. Gepflasterte Straßen waren allenfalls Heerstraßen, die zur Verlegung vom Militär dienten.
In den Weiten der Lüneburger Heide zog der Kutscher es vor nicht nur eine Fahrspur zu wählen, sondern je nach Lage die Beste von mehreren, nebeneinanderliegenden Spuren. Diese durchzogen die Landschaft oft in bis zu 100m Breite.
Im Hamburger Wanderbuch von 1901 findet sich zum "Alten Postweg" folgende Beschreibung:
"Er läuft durch beinahe menschenleere Gegenden, über Stock und Stein, bergauf, bergab. Der nächste bewohnte Punkt war Pattensen, 2 Meilen von Jehrden.... Es ist interessant, einmal dieser Straße zu folgen. Mitten in weiter Öde, die den Gedanken an menschlichen Verkehr kaum aufkommen läßt (nur im Winter trifft man wohl Bauern Holz hauend oder Heide plaggend)...."
ALTE POSTBRÜCKE / NAPOLEONBRÜCKE
Die „Alte Postbrücke“ wurde im Jahr 1789 vom königlichen Wegbau unter König Georg III. von Hannover und Großbritannien errichtet.
Im Volksmund wurde sie als „Napoleonbrücke“ bekannt. Obwohl es keine Belege dafür gibt, dass Napoleon selbst diese Brücke überschritten hat, durchzogen zwischen 1803 und 1813 während der französischen Besatzung napoleonische Truppen die Region. Dadurch erhielt die Brücke ihren bis heute geläufigen Namen.
Die erste Restaurierung der Brücke fand 1927 statt. Leider verschlechterte sich der Zustand der Brücke ich den darauffolgenden Jahrzehnten stetig.
PANZERMANÖVER GIBT DER BRÜCKE DEN REST
Im Jahr 1976 verursachte ein Panzermanöver einen Riss in der alten Brücke. Man entschied sich gegen eine Restaurierung und stattdessen für die Sprengung der Brücke. Anschließend wurde der Bachverlauf verrohrt, sodass an dieser Stelle kein Brückenbauwerk mehr existierte.
WIEDERAUFBAU DURCH STELLER SCHÜLER & HERMANN OHL
Nachdem die Gemeinde Seevetal im Jahr 1996 ihre Zustimmung gegeben hatte, wurde der Wiederaufbau der „Alten Postbrücke“ in die Wege geleitet. Die Initiative ging vom ehemaligen Steller Schulrektor Hermann Ohl aus, der tatkräftige Unterstützung von zahlreichen Helfern erhielt.
Dazu gehörten unter anderem der Grüne Kreis, Schüler und Lehrer, örtliche Firmen, das Technische Hilfswerk (THW) sowie viele Spender. Neben dem Brückenbau wurde auch eine Renaturierung des Bachlaufs durchgeführt. Die Arbeiten dauerten mehrere Jahre und konnten schließlich im Jahr 2001 erfolgreich abgeschlossen werden.
Quelle:
Dederke, Peter 2005 - Die Geschichte eines Dorfes am Rande der Geest - Pattensen
Hamburger Wanderbuch 1901 - Wanderung durch die Nordheide
Archive Gemeinde Seevetal & Stelle - div. Zeitungsartikel
Gröll, Walter 1979 - Auf alten Heidewegen
Entdecke mehr
geschichtliches über Ohlendorf
































