
Ohlendorf
Die Sanddünen

Bilder:
Sammlung Karl-Werner Vick
Die Sanddünen befanden sich in der Gemarkung Ramelsloh, waren begehrtes Fotomotiv und wurden in zahlreichen Wanderführern der 1920er Jahre als "Ohlendorfer Sanddünen" beschrieben. Die Verfasser werden kaum über eine genaue Ortskenntnis verfügt haben.
So schrieb das Hamburger Fremdenblatt 1928 in seiner Rubrik - Hamburger Wanderfahrten - "Dicht versteckt im schützenden Eichendickicht liegt der Ort (Anm. Ramelsloh), sondern frank und frei in der Ebene, die früher der Eiszeitstrom durchbrauste und wo in der Nähe bei Ohlendorf in einer stillen Bucht große Sandmengen sich absetzten und die Ohlendorfer Dünen schufen".
Sie befanden sich zwischen Ohlendorf und Ramelsloh, auf direkter Strecke der heutigen Ohlendorfer Straße - Kreisstraße 9 -, links und rechts der heutigen Fahrbahn. Genau an der Stelle wo sich heute Autobahnunterführung befindet türmten sich jahrhundertelang große Sanddünen.
Dieser Weg zwischen den beiden Nachbardörfern wurde vor der Erschließung der Bundesautobahn A7 und Kreisstraße 9 "Kirchweg" genannt, da diese Strecke für die Ohlendorfer Bürger den kürzesten Weg zur Kirche nach Ramelsloh bedeutete. Die offizielle Straßenverbindung zwischen Ohlendorf und Ramelsloh verlief damals noch über den Umweg Osterberg und das Ramelsloher Horn. Sicherlich spielte bei der Wahl des Weges die Beschaffenheit eine Rolle, da der Sandweg zwischen den Dünen je nach Witterung nur mit Mühe befahrbar war und dies sich erst änderte, als mit der Kreisstraße 9 eine moderne Fahrbahn gebaut werden konnte.
Die Sanddünen zwischen Ohlendorf und Ramelsloh waren das Ergebnis von 200.000 Jahren Landschaftsgeschichte aus Eis, Wasser und Wind.
Vor 200.000 Jahren herrschte die Saale-Kaltzeit. Ein dicker Eispanzer reichte vom Nordpol bis zu den Mittelgebirgen. Der Gletscher schleppte große Menge an Steinen und feines Untergrundmaterial mit. Nach 70.000 Jahre schmolz das Eis und zurück blieb eine Moräne. Diese Schicht bestand aus Steinen, Kies, Sand, Lehm und Mergel.
Beim Abschmelzen des Eises entstand ein tiefer Strom, der sich tief in die Moräne einschnitt. Diese bildete das breite Urstromtal der Elbe, an dessen südlichen Rand die Sanddünen lagen. Jedes Mal, wenn die vielen Arme der Elbe über die Ufer traten lagerte sich Sand ab, sodass die Sohle des Tals langsam anstieg. Bei Sturm trieb der Wind Sand an den südlichen Rand des Elbtals, wo er sich vor der Geestkante in Dünen und auf der Hochfläche als Flugsanddecke ablagerte. Zwischen Geest und Düne staute sich das Quellwasser in kleinen Seen. Durch den Anstieg des Meeresspiegels vor ca. 4.500 Jahren erreichten Ebbe und Flut das Elbegebiet in Seevetal. Dies führte dazu, dass sich bei Hochwasser vor allem das feinkörnige Material der Elbe ablagerte, die fruchtbaren Marschenböden. Die Seen wurden zu Mooren, die sich mit Pflanzenresten verfüllten.
Seit etwa 2.000 Jahren greift der Mensch in diese Landschaft ein. Die Marsch ist heute kultiviert, die Dünen sind abgetragen oder bepflanzt, in den Mooren wurde Torf abgebaut, der Lehm diente den zahlreichen Ziegeleien im Umkreis als Rohstoff.
Heute steht auf den Resten der Dünen die DRK Kindertagesstätte I und die Grundschule Ramelsloh. Der Straßenname "Am Sandberg" deutet heute noch auf die Existenz der Dünen hin. Wer heute die DRK Kindertagesstätte I besucht kann noch deren groben Verlauf erkennen. Zum Schutze vor Bodenerosion sind die letzten Überreste nach dem Bau der Grundschule 1963 mit Kiefern bepflanzt worden.
Quelle:
Hamburger Fremdenblatt 1901 - Wanderung durch die Nordheide
Bodenlehrpfad Boberg - Entstehung von Dünen an der Geest
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