
Ohlendorf
Der Wasserleitungs-
verein








Bilder:
Sammlung Karl-Werner Vick
Archiv Gemeinde Seevetal
Archiv WBV Harburg
WASSERVERSORGUNG IN ALTEN ZEITEN
Von einer komfortablen Wasserversorgung konnte man in Ohlendorf bis Anfang des 20. Jahrhunderts nicht sprechen, da sie sich grundlegend von den heutigen Versorgungsstandards unterschied.
Damals verfügten die Häuser über keine Wasserleitungen im Inneren. Stattdessen sorgten hauseigene Brunnen für die Versorgung der Bewohner. Jeder Tropfen Wasser, der im Haus gebraucht wurde, musste mit einem Eimer hineingetragen werden. Das Vieh wurde überwiegend in den Dorfteichen, sowie während des täglichen Herdentriebs im Ashausener Mühlenbach oder im Rönnebeck getränkt.
Die Schulchronik berichtet im Jahr 1887:
"In der Mitte des Dorfes befinden sich zwei Teiche, in welchen jedoch keine Fische gezüchtet werden, weil sie häufig im Sommer austrocknen. Das Wasser ist sehr sparsam. Im Westen liefern Brunnen bei geringer Tiefe reichlich Wasser, jedoch im Osten tritt häufig Wassermangel ein. Letzteres war ganz besonders im Jahre 1887 der Fall. Es mußte auf der s.g. Nath einige Wasserbehälter für Menschen und Vieh eingerichtet werden."
1. WASSERLEITUNGSVEREIN - NÖRDLICHER ORTSTEIL
Dieser Zustand der mangelnden Wasserversorgung hielt noch einige Jahrzehnte an, bis im Sommer des Jahres 1910 21 Haushalte des nördlichen Ortsteils den ersten Wasserversorgungsverein gründeten.
Die Quelle mit der 24 Meter hohen Windturbine - Elektrizität war noch nicht vorhanden - befand sich in der Straße "Zum Jugendheim", der Wasserbehälter hatte seinen Standort im "Mittelweg".
2. WASSERLEITUNGSVEREIN - SÜDLICHER ORTSTEIL
Bereits drei Jahre später gründeten 14 Haushalte und die Schule des südlichen Ortsteils ebenfalls einen Wasserversorgungsverein. Die Quelle mit der südlichen Windturbine befand sich in der Holtorfsloher Straße, der Wasserbehälter in der Brackeler Straße. Dieser Behälter diente noch lange bis in die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts als Löschwasserbehälter.
Durch den bequemeren Konsum von Wasser direkt in den Häusern stieg der Wasserverbrauch stetig an, sodass in den heißen und windarmen Sommermonaten dennoch große Wasserknappheit herrschte.
In den 1920er Jahren begann schließlich die Versorgung der Ohlendorfer Haushalte mit Strom vom Elektrizitätswerk an der Seeve.
Im Jahr 1934 beschloss die Dorfgemeinschaft, eine gemeinsame Tiefbohrung mit elektrischer Pumpe herstellen zu lassen. Als Standort wurde der höher gelegene Wasserbehälter in der Brackeler Straße gewählt.
GEMEINSAMER WASSERLEITUNGSVEREIN WIRD GEGRÜNDET
Am 4.2. 1935 fand dann die erste Generalversammlung vom gemeinsamen Wasserleitungsverein Ohlendorf statt. Die Jahresfördermenge wurde mit 8.000 m³ angegeben. Das Rohrnetz erweiterte sich durch ständige Neubauvorhaben fortlaufend.
WEITERE MODERNISIERUNGEN
1951 wurde das Pumpenhaus in der Brackeler Straße errichtet, sowie ein Druckkessel aufgestellt. Dieser gewährleistete einen gleichmäßigen Wasserdruck in der gesamten Anlage. Im Jahr 1964 wurde der Verein in das Vereinsregister eingetragen.
In den folgenden Jahren wurde neue tiefere Bohrungen erstellt, eine neue Filteranlage sowie ein Notstromaggregat angeschafft. Wassermangel herrschte somit auch in trockenen Sommern nicht mehr.
Im Jahr 1977 betrug die Fördermenge annähernd 80.000 m³, womit 260 Haushalte versorgt wurden.
In dem 1980er Jahren diskutierten die Ohlendorfer Bürger sehr kontrovers den drohenden Zwangsanschluss an die Wasserversorgung des Landkreises. Der Brunnen auf dem Gelände der Mülldeponie im Süden der Gemarkung Ohlendorf wies eine erhöhte Schadstoffbelastung auf. Außerdem wurden im Trinkwasser der Anlage des Nachbarortes Holtorfsloh zu hohe Nitratwerte festgestellt.
Die Verwaltung des Landkreises Harburg empfahl damals das Trinkwasser der Haushalte in Holtorfsloh nicht für die Zubereitung von Babynahrung zu verwenden.
Außerdem machte der Landkreis Harburg dem WBV Ohlendorf den Vorschlag des Anschlusses an die überregionale Wasserversorgung. Dagegen wehrten sich die Ohlendorfer noch einige Jahre, da sie Kostensteigerungen befürchteten, außerdem war im Trinkwasser in Ohlendorf niemals eine erhöhte Schadstoffkonzentration festgestellt worden.
Die Erschließung eines neuen Brunnen in weiterer Distanz zur Deponie für die Sicherung des zukünftigen Trinkwasserbedarfs wäre allerdings zu teuer gewesen, daher kam es dann am 01.01.1993 zum Netzanschluss an den Wasserbeschaffungsverband des Landkreises Harburg. Somit endete die 82-jährige Geschichte des Wasserleitungsvereins Ohlendorf.
Quelle:
Richers, Wilhelm 1977 - Chronik der Dörfer Ohlendorf und Holtorfsloh
Archiv WBV Harburg
Entdecke mehr
geschichtliches über Ohlendorf
























